Eine neue Fassade fürs Hospiz – ein großartiges Projekt für unsere Lehrlinge

Eine neue Fassade fürs Hospiz – ein großartiges Projekt für unsere Lehrlinge

Im April startet für unsere Unternehmensgruppe ein Projekt, das uns sehr am Herzen liegt. Durch das vorbildhafte soziale Engagement des Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten kamen wir in Kontakt mit Ulf Bodenhagen, Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH Hamburg Leuchtfeuer. Das Hotel Vier Jahreszeiten hatte Ende letzten Jahres gemeinsam mit Hamburg Leuchtfeuer unter seinen Partnern für ehrenamtliches Engagement geworben. Die notwendigen Fassadenarbeiten am Hospiz, das unter der Leitung von Mareike Fuchs eine liebevolle letzte Umgebung für bis zu 30 Bewohner bietet, brachte uns auf die Idee für ein Azubi-Projekt.

In diesem Frühjahr beginnen die Arbeiten an der Außenfassade des unauffälligen Altbaus, der in idyllischer Ruhe inmitten des lebendigen Stadtteils St. Pauli gelegen ist. Dass sich hinter dieser Fassade ein Hospiz verbirgt, hätten man als ahnungslos Vorbeischlendernder wohl kaum erwartet. Erst recht nicht, wenn die Vorstellung an ein Hospiz Bilder eines kalten und sterilen Krankenhausbaus in einem hervorruft. Das Gegenteil ist der Fall! Und so erlebte man uns fast sprachlos und vollends übermannt von der Stille und Wärme, die dieses Haus und seine Mitarbeiter auf uns ausstrahlten. Der Entschluss, dass dies die einzig richtige Umgebung für ein Projekt sei, das unserem Geschäftsführer Nicolai Voß schon lange vorschwebte, war somit schnell gefasst. Nach Sichtung des Bestands stand fest, die Fassadenarbeiten wird unsere Unternehmensgruppe unentgeltlich ausführen – als Projekt, das unsere Lehrlinge unter der Leitung eines erfahrenen Malermeisters in Eigenregie bestreiten. Auch andere Firmen stehen uns bei der Realisierung unseres Projekts zur Seite: so stellt uns die MEGA eG das nötige Material kostenfrei zur Verfügung und die Firma Gerhard Busch Gerüstbau GmbH wird uns mit einem Baugerüst unterstützen. Für die Lehrlinge unserer Malereibetriebe bietet das Projekt eine großartige Chance: Unter der Leitung Philipp Nonnenmanns (Malermeister und Geschäftsführers unseres Tochterunternehmens Zerck) werden die Auszubildenden die Arbeiten eigenständig organisieren und in Teamwork abwickeln.

Interview: Im Gespräch mit Mareike Fuchs

In unserem Interview berichtet uns Mareike Fuchs, Leiterin des Hospiz von Hamburg Leuchtfeuer, über die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für die Hospizarbeit.

Liebe Frau Fuchs, mit den Projekten Aufwind, Lotsenhaus und Festland unterstützt Hamburg Leuchtfeuer chronisch kranke Menschen in allen lebenspraktischen Bereichen und bieten ihnen in schwierigen Situationen psychosoziale Unterstützung. Darüber hinaus betreibt Hamburg Leuchtfeuer im Stadtteil St. Pauli ein Hospiz für schwer kranke und sterbende Menschen.

Seit wann leiten Sie das Hospiz von Hamburg Leuchtfeuer und was war ausschlaggebend für Ihr Engagement?

Ich leite das Hamburg Leuchtfeuer Hospiz seit Februar 2013. Bereits während des Studiums arbeitete ich als Helferin in der Altenpflege. Die erste Begegnung in einem Pflegeheim mit einer verstorbenen Bewohnerin und der verzagte Umgang mit dem Tod hat meinen weiteren Weg geprägt.

Nach meinem Studium im Bereich Sozialwesen arbeitete ich mit Anfang 20 für meine staatliche Anerkennung ein Jahr in einem stationären Hospiz. Dies war meine erste berufliche Erfahrung und für mich maßgeblich. In dieser Zeit durfte ich die besondere, würdevolle Fürsorge für Menschen in ihrer letzten Lebenszeit intensiver kennenlernen. Ich fühlte mich mit den Werten, die in einem Hospiz gelebt werden, zutiefst verbunden. Ich empfinde das aufrichtige Angebot, schwerkranke und sterbende Menschen, unabhängig von ihrem Lebensweg oder von ihrem Status, bestmöglich und ganzheitlich auf höchstem Niveau begleiten zu können, auch heute noch als Privileg.

Kommt es vor, dass Menschen Ängste oder Schuldgefühle haben, wenn sie einen Angehörigen ins Hospiz bringen?

Unser Hospiz ist ein geschützter Ort, an dem gemeinsames Leben und Abschiednehmen vom Leben in besonders dichter Weise nebeneinanderstehen. Auf der einen Seite können wir schwerstkranken Menschen und ihren Angehörigen Schutz und Beistand geben – in der letzten Lebenszeit. Manchmal erscheint dies paradox: die Lebenszeit im Hospiz ist oft eine besonders intensive Lebenszeit – und doch beinhaltet sie immer auch den Blick auf den Abschied vom Leben. Ich glaube, so empfinden es auch viele Angehörige: auf der einen Seite bedeutet der Einzug in ein Hospiz: Entlastung, Erleichterung – nun kann die Verantwortung geteilt werden und die Angehörigen wissen ihren lieben Menschen in guten Händen. Auf der anderen Seite bleibt da diese Trauer, um das, was durch den Einzug verloren geht – die Hoffnung auf die Rückkehr in ein gesundes, gemeinsames Leben. Die Frage, ob es auch einen anderen Weg geben könnte, beschäftigt manche Menschen vor dem Einzug ins Hospiz. In aller Regeln erleben wir jedoch, dass die Menschen nach dem Einzug dankbar für die Zuwendung und die Sicherheit sind. Dies betrifft sowohl Angehörige als auch die Bewohnerinnen und Bewohner.

Das Hamburg Leuchtfeuer Hospiz ist mitten im lebendigen Stadtteil St. Pauli gelegen. Fühlen Sie sich mit dem Hospiz in die Nachbarschaft integriert oder sieht sich Ihr Haus manchmal auch mit Vorbehalten oder gar Ablehnung konfrontiert?

Wir sind gerne auf St. Pauli, denn wir empfinden auch unseren Standort als ein Statement: Abschiednehmen vom Leben mitten im Leben. Und das Leben auf St. Pauli ist bunt, vielfältig, anrührend, komplex… Hier fühlen wir uns wohl, auch aufgrund unserer Entstehungsgeschichte Mitte der Neunzigerjahre. Seit 1998 arbeiten wir in diesem Stadtteil und fühlen uns von der Nachbarschaft unterstützt und getragen. Unser jährliches Sommerfest wird von vielen Menschen besucht; in kleinen und großen Gesten bekunden Nachbarn ihre Verbundenheit: sei es mit einer Blumenspende vom Nachbarladen oder das künstlerische „Sprayen“ unseres Logos auf die Säulen unserer Zufahrt.

Immer wieder beeindruckend ist die respektvolle Stille, die auch Passanten ergreift, wenn sie zufällig am Hospiz vorbeigehen und gerade ein Sarg aus dem Haus getragen wird. Das sind die Momente, in denen die Besonderheit eines Abschiedes und die Besonderheit des alltäglichen Lebens aufeinander treffen.

Welche Rolle spielt ehrenamtliches Engagement für die Arbeit im Hospiz? Hat sich in den vergangenen Jahren ein Trend in Bezug auf das Ehrenamt im Hospiz abgezeichnet?

In unserem Hospiz unterstützen uns rund 70 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Arbeitsbereichen: vom Küchenteam, der Pflege unseres Gartens und der Blumen im Haus, über die persönliche Begleitung einer Bewohnerin oder eines Bewohners bis zur Besetzung unseres Empfangsbereiches. Überall haben wir engagierte, reflektierte und – kurz zusammengefasst – großartige Unterstützung. Ohne diese ehrenamtlichen Mitarbeiter könnten wir die Begleitung und Betreuung unserer schwerst kranken Bewohner und ihren Zugehörigen nicht so qualitativ hochwertig leisten. Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen so viel gute Energie und Tatkraft in unser Hospiz. Und auch ein Stückchen Alltag. Es kann so schön für Bewohner sein, wenn sie beispielsweise wissen: „Am Dienstag kommt unsere Renate wieder in den Küchendienst. Vielleicht reden wir wieder über die Blumen im Garten oder meine letzte Reise.“ Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen stehen für Solidarität und Mitmenschlichkeit. Ich kann und möchte mir die Hospizarbeit nicht ohne ehrenamtliche Mitarbeitende vorstellen, denn in diesem freiwilligen Engagement einer Bürgerbewegung lag die Wurzel der heutigen Hospizarbeit.

In diesem Zusammenhang ist auch und besonders das Engagement vieler Dienstleister und Firmen zu erwähnen, die uns immer wieder zu Sonderkonditionen oder sogar pro bono unterstützen – wie es nun auch Otto Gerber auf großartige Weise im Rahmen des Fassadenanstrichs am Hospiz gemeinsam mit der Firma Gerhard Busch Gerüstbau GmbH und der MEGA macht. Für diese Form der Unterstützung sind wir sehr dankbar.

In welchen Bereichen würden Sie sich mehr Unterstützung wünschen – sei es durch Politik, Behörden oder auch in der direkten Nachbarschaft?

Wir sind als gemeinnützige Einrichtung immer auf die Unterstützung unserer Gesellschaft und natürlich auch auf die der direkten Umgebung angewiesen. Viele Jahre sind wir durch die hohe Spendenbereitschaft und den persönlichen Einsatz von Menschen in unserer Arbeit getragen worden. Die aktuelle Situation in Bezug auf die Corona-Pandemie lässt uns noch einmal mehr Aufmerksamkeit auf die Erkenntnis richten, dass wir einander brauchen. Ich wünsche mir, dass wir auch nach dieser aktuellen, sehr herausfordernden Phase in unserer Gesellschaft Menschen haben, die an unserer Seite stehen können – sowohl finanziell als auch durch persönliche Tatkraft. Viele Menschen fürchten aktuell um ihre wirtschaftliche Existenz und ich hoffe, dass es der Politik gelingen wird, diese Situation so zu stabilisieren, dass die Menschen auch an ihre Mitmenschen denken können.

Eine persönliche Frage zum Abschluss: Inwiefern hat die Arbeit für und mit unheilbar kranken und sterbenden Menschen Ihr Verhältnis zum Tod beeinflusst?

Ich denke nicht häufig über meinen Tod nach. Er ist einfach ein Bestandteil meines Lebens, ein wesentliches Ereignis, das sich auch durch häufiges Nachdenken nicht terminieren oder wirklich erfassen lässt, sondern kommt, wenn es Zeit ist. In diesem Punkt unterscheidet sich der Tod kaum von allen anderen bisherigen existentiellen Erfahrungen in meinem Leben.

Bei der Erstellung meiner Vorsorgevollmacht vor ein paar Jahren habe ich sehr bewusst über mein Sterben als unausweichliche Realität gesprochen und meine Wünsche aufgeschrieben. Im ersten Moment war es ein befremdliches Gefühl – vor allem, das Wissen zu haben, mir lieben Menschen die Verantwortung zu übertragen, sich dann um mich zu sorgen, wenn ich es selbst nicht mehr kann. Im zweiten Moment war es für mich eine große Erleichterung, da aus dem Wissen um die empfundene „Belastung“ für meine Freunde die Gewissheit wurde, dass sie bereit sind diesen Weg mit mir zu gehen und diese Verantwortung zu übernehmen.

Ich denke eher über den bevorstehenden Tod der Menschen, die mir nah sind, nach. Oder an die Menschen, die ich bereits in meinem Leben verloren habe. Mascha Kalecko beschreibt es in einem ihrer Gedichte sinngemäß so: „Den eigenen Tod, den stirbt man nur. Mit dem Tod der anderen muss man leben.“ Ich bin sehr dankbar für viele liebevolle Spuren, die die unterschiedlichsten Menschen in mir hinterlassen haben und werden. Und ich hoffe sehr, dass auch ich solche liebevollen Spuren hinterlassen werde.

Haben Sie vielen Dank, liebe Frau Fuchs! Wir freuen uns bereits sehr auf unser gemeinsames Projekt!